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Ein neues
chaldäisches Königreich
Zur Zeit als
die Assyrer die Herren Chaldäas waren, bildete sich in diesem
Lande ein Volk das sich von den alten Chaldäern sehr
unterschied. Diese neuen Chaldäer waren wie die Assyrer ein Volk
von Kriegern. Ein jüdischer Phrophet beschreibt sie so: Es ist
eine grausame Nation von unglaublicher Schnelligkeit, die alle
Gegenden durchstreift, um sich der Wohnsitze andere zu
bemächtigen. Ihre Pferde sind leichtfüßiger als Leoparden und
schneller als Wölfe in der Nacht.
Ein
Statthalter von Babylon, Nabopolassar empörte sich gegen den
König von Assyrien und wurde als König der Chaldäer anerkannt.
Nach der Zerstörung Ninives wurde er Herr von ganz Mesopotamiens
und aller Länder am Euphrat. Er betrachtete auch die Könige vor
Phönizien und Syrien als seine Untertanen und forderte Tribute
von ihnen, die sie bis dahin den Assyrern geleistet hatten und
er schicktet einen Sohn um sie zu unterwerfen.
Er ging daran
die Kanäle und Schutzdämme des Euphrats sowie seine Hauptstadt
Babylon und die anderen chaldäischen Städte wiederaufzubauen,
die zu Zeiten der Assyrer schrecklich verwüstet waren. Auch den
Palast von Babylon ließ er wieder herrichten. Aber er war schon
alt und starb bevor er sein Reich wiederaufgebaut hatte.
Sein
SohnNabuchodonosor besser bekannt als Nabukadnezar, der den
Königstitel schon zu Lebzeiten seines Vaters getragen hatte,
wurde einer der berühmtesten Herrscher des Altertums. Er
zerschlug die Invasionsbestrebungungen der ägyptischen Pharaos
Necho und Apries in Syrien und war entschlossen den Aufständen
ein Ende zu machen. Er belagerte und zerstörte Jerusalem und
führte die Bewohner in die Verbannung nach Babylon. Er belagerte
Tyrus und zwang dessen König sich als seinen Untertanen zu
bekennen.
Vor allem
aber bemühte er sich die chaldäischen Städte zu befestigen und
zu verschönen, so machte er Babylon, die größte Stadt der Welt
zur Königin Asiens“. Die Nachfolger Nabuchodonors verrichteten
keine bemerkenswerten Taten. Der vierte, Nabonid, baute mehrere
alte Tempel wieder auf und stellte den Kult der Götter dieser
Orte wieder her. Und er verlegte seinen Regierungssitz in eine
kleine Stadt ausserhalb Babylons. Dadurch erzürnte er die
Priester des Hauptgottes Marduk, dessen Heiligtum in Babylon
stand.
Nachdem Cyrus
der Perser Medien und Lydien erobert hatte griff er Chaldäa an.
Die Perser drangen in Babylon ein und König Nabonid wurde
besiegt und umgebracht. Babylon wurde zwar nicht zerstört wie
Ninive, es blieb die größte Stadt Asiens aber in Babylon residierte
nur noch eine Statthalter des persichen Großkönigs.
Im Norden
Chaldäas, im Tigris-Taal, wohnte ein Volk der gleichen Rasse wie
die Babylonier, das aber ärmer und weniger kriegerisch war.
Seine Hauptstadt erhob sich am Tigrisufer neben dem Tempel des
Gottes Assur. Die Stadt nannte sich nach ihrem Gott Assur, die
Bewohner nannten sich Assyrer.
Sie
gehorchten dem Hohen Priester ihres Gott Assur, der zugleich
König war. Diese Priester-Könige waren lange Zeit dem Großkönig
von Babylon tributpflichtig. Dann wurden sie unabhängig,
unterwarfen die umliegenden Länder und nahmen den Titel
König
an. Sie organisierten eine Armee von Fußtruppen, ließen sich
Könige der Legionen nennen und begannen alle Nachbarn zu
bekriegen.
Sie eroberten
sogar Babylon und zwangen die chaldäischen Könige zur
Tributzahlung. Der bekannteste dieser assyrischen Eroberer ist
Tiglath Pileser, der im 12 Jahrhundert regierte. Er hat über
seine Siege in einer langen Inschrift verkündet, die in seiner
Hauptstadt entdeckt wurde:
Ich bin
Tiglath Pileser, der mächtige König, der König der unbesiegbaren
Legionen, der König aller vier Himmelsrichtungen, der Fürst
aller Fürsten, der Herr aller Herren, der König aller Könige,
der höchste Monarch, der Eroberer, der Riese der wie ein über
die Ufer getretener reißender Strom alle feindlichen Länder
überschwemmte. Durch die Gunst des Gottes Assur habe ich keine
Rivalen und bezwinge alle Feinde Assurs.
Und dann
beginnt die Aufzählung der Feldzüge des Königs.
„Im Anfang
meiner Regierung besiegte ich 20000 Muschki und ihre fünf
Könige, die seit 50 Jahren den Tribut verweigert hatten, den sie
Assur, meinem Herrn schuldeten. Kein König hatte ihnen zu
trotzen gewagt. Ich betete zu Assur, meinem Herrn und
versammelte meine Kriegswagen und meine Soldaten. Ich schlug die
Feinde vollständig. Ihre Leichen bedeckten die Schluchten und
Gipfel des Gebirges. Ich ließ ihnen die Köpfe abschlagen, die
ich auf den Wällen ihrer Städte zur Schau stellte. Und ich
machte ungeheuere Beute. Sechstausend der Ihren waren meinen
Waffen entkommen. Sie kamen um mir die Füße zu küssen und ich
machte sie zu Gefangenen und führte sie nach Assyrien.“
In gleicher
Weise erzählte er von all seinen Feldzügen. In einem anderen
Feldzug eroberte er das Land an den Tigrisquellen, in einem
weiteren kam dann Armenien an die Reihe. Er führte auch mit den
Völkern Syriens Krieg und eroberte den Norden Chaldäas. Das
Königreich Assur erstreckte sich damals bis an den Libanon im
Westen, bis an den Euphrat im Osten, im Norden bis an die
armenischen Gebirge und an das schwarze Meer, im Süden fast bis
an den Persischen Golf. Dieses Reich hatte aber wahrscheinlich
nur zu seinen Lebzeiten Bestand.
© Peter
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