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Die Sitten

Die Sitten

Die Einrichtungen der Babylonier scheinen von keiner langen Dauer gewesen zu sein. Die freie Bevölkerung war in Kasten getrennt, die sich in Geschlechterkasten und Berufskasten unterteilten. Die ersteren bildeten Gruppen, die sich nach einem Mann benannten der als ihr Ahnherr galt. Man kennt über 100 solcher Kasten-Häupter, die banu, d.h. „Vater“ genannt wurden. Solche Häupter waren u.a. Nur-Sin, Irani, Edir, Nabunnai, Sin-emittit und vor allem Egibi, dessen Zweig jahrhundertelang die Finanzminister der babylonischen Könige stellte. Die Berufskasten teilten sich in zwei scharf getrennte Klassen. Die eine, sehr gehobene setzte sich aus den Priestern der verschiedenen Gottheiten wie Ea, Bel, Ihstar und andere zusammen, aus Gelehrten, Astrologen und Rechtsgelehrten.

Die königlichen Richter scheinen nicht ausschließlich aus einer einzigen Kaste gewählt worden zu sein. Sie sprachen Recht in Kriminal- und Zivilfällen: alltägliche Fälle wurden von Schöffengerichten entschieden, denen stets ein öffentlicher Amtschreiber vorstand. Dieser ersten Klasse scheinen auch die Landvermesser zugehört zu haben.

Die andere Klasse setzte sich aus den normalen Berufen zusammen, den Seeleuten, Webern, Schneidern, Schmieden, Landwirten u.a. - die Fischer bildeten noch eine spezielle Kaste. Herodot, der Vater der Geschichte beschreibt, das es keine Ärzte in Babylon gegeben habe.  Die Kranken wurden danach auf die Straße gestellt oder gelegt und jeder Passant konnte oder sollte seinen Rat erteilen. Man löste die Frage der Therapie durch eine Art Volksbefragung. Ehen wurden einmals jährlich vor dem Volk geschlossen und zwar in einer öffentlichen Zeremonie, bei der man die heiratsfähigen Mädchen versteigerte. Die schönen Mädchen waren teuer und das erzielte Geld diente dazu, den häßlichen Aspirantinnen eine Aussteuer zu verschaffen.

Der Ruf Babylons als einer unmoralischen, sündigen Stadt rührt von dem religiösen Brauch her, der jede Frau zwang, sich einmal in ihrem Leben einem Fremden hinzugeben, den sie im Heiligtum der Mylitta zu erwarten hatte ohne daß ihr das Recht der Verweiigerung zustand. Der betreffende Mann hatte ihr dafür eine Geldsumme zu bezahlen, die dem Heiligtum zufiel. Neben dieser absolut religiösen Sitte blühte aber auch die Prostitution in Babylon, was darauf zurückzuführen war, daß die Armut die Demoralisierung bewirkte. Man habe die eigenen Töchter verkauft um sie zu Protistuierten zu machen.

Die Akkader oder Chaldäer waren ein Volk von Bauern, sie bearbeiteten die Erde mit von Ochsen gezogenen Pflügen. Sie bewässerten das Land indem sie Wasser aus den Flüssen oder den Kanälen mit Eimern schöpften, die an drehbaren Querhölzern befestigt waren. Sie hielten sich Herden von Rindern und Schafen. Die Felder, die verschiedenen Eigentümern gehörten, waren vermessen und durch Grenzsteine getrennt, man verpachtete oder verkaufte sie.

Die Chaldäer und Assyrer wohnten fast alle in den Städten. Die Häuser waren gewöhnlich mit Erde abgedeckt, sie waren niedrig und dunkel, man suchte sich so vor der Hitze zu schützen. In den großen Städten gab es viele Handwerker. In Chaldäa stellte man schöne Stoffe aus Leinen oder Wolle her, aus denen Kleider und Teppiche gefertigft wurden. Diese Stoffe in prachtvollen Farben wurden mit Stickereien geschmückt, auf denen Menschen, Tiere und Pflanzen dargestellt waren. In Assyrien und Babylonien stellte man schöne damaszierte Waffen her, Elfenbeinmöbel und mittwochGold und Silber eingelegte Hölzer, Sättel sowie herrliche Lederharnische.

Die Reichen schmückten sich mit Halsketten, Armbändern, Ohrringen und kleideten sich in leinene Tuniken, in wollene Umhänge und gestickte Mäntel. Sie trugen die Haare lang und sorgfältig in Locken gelegt die über die Schultern fielen. Auch die Bärte der Männer trug man lang und über die Brust herab in Zöpfen geflochten. Die schlichten Leute trugen nur eine schlichte Tunika und gingen barfuss.

Der König und die Vornehmen am Hofe hatten mehrere Frauen, die sie in Zimmern eingeschlossen hielten zu denen kein Fremder Zugang hatte. Man ließ die Frauen niemals ausgehen. Die Frauen des einfachen Volkes dagegen lebten in Freiheit und gingen sogar unverschleiert aus und ihren Geschäften nach.

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