|
Sumerisch – Gilgemesch-Epos
Das
Gilgamesch-Epos ist die erste Dichtung, die den Menschen im
Prozess seiner Loslösung von den Göttern zeigt. Das wird am
deutlichsten, wenn Gilgamesch die Werbung Inannas ablehnt, die
sich mit eindeutigen Worten an den mächtigen König von Uruk
wendet:
Komm her,
o Gilgamesch, sei mein Gemahl und laß mich deine Manneskraft
genießen, werd Du mein Gatte und ich sei Dein Weib!
Doch
Gilgamesch ist nicht willens, die Verbindung mit der Göttin
einzugehen. Er der inzwischen Freundschaft und Menschlichkeit
kennen gelernt hat, fühlt sich durch sexuelle Unersättlichkeit
abgestoßen. In scharfen Worten weist er die göttliche Werbung
der Heiligen Hochzeit zurück:
Wie ging
es mir wohl, wenn ich Dich zur Frau nähme! Ein Ofen bist Du, der
nicht wärmt bei Kälte, ein gegen Zug und Wind untauglich Tor.
Bist ein Palast, der nieder schmeißt die Mannen, bist Erdpech,
das besudelt, wer es anfasst. Ein Wasserschlauch, der seinen
Träger nässt, bist Kalkstein, der die Mauerfugen sprengt. Ein
Sturmbock, hergeführt aus Feindesland, ein Schuh der seines
Trägers Füße Beißt! Wo ist der Buhle, den Du treu gehegt, die
Mandelkrähe, die Dir zugeflogen? Wohlan, ich zähle Dir auf, die
Du geliebt: Dem Tammuz, dem Geliebten Deiner Jugend, hast Tränen
Du für jedes Jahr bestimmt. Du liebtest auch den farbenfrohen
Vogel, doch schlugst Du ihn, zerbrachst ihm die Flügel, nun
sitzt er im Gehölz und ruft kappi! Den Löwen liebtest Du, der
Sdtärke Urbild, und hobst ihm doch die Gruben aus je sieben!
Auch liebtest Du den kampferprobten Hengst, bestimmt doch ihm
Peitsche, Stich und Hieb: So muss er jagen sieben Doppelstunden,
das aufgewühlte schlammige Wasser trinken, dass drob Silili
seine Mutter weint! Dann liebtest Du den Hirten bei den Schafen,
Brotkuchen häufte er Dir ohne Rast und schlachtete Zicklein
jeden Tag: Du schlugst ihn, ließest einen Wolf ihn werden, nun
scheuchen ihn die eignen Hütejungen und seine Hunde beißen ihn
ins Bein! Dann packte Dich die Liebe zu Inschullanu, der Deines
Vaters Palmengärtner war, der stets Dir Körbe voller Datteln
brachte und täglich reich versorgte Deine Tafel. Du sahst ihn
an, Du näherstest dich ihm und sprachst: O, mein Ischullanu,
komm, lass uns doch genießen deine Kraft, reich mir die Hand,
berühre meinen Schoß! Doch Ischullanu gab Dir drauf zur
Antwort: Was stellst Du da an mich für ein Verlangen? Buk Brot
mir nicht die Mutter, aß`ichs nicht, daß ich nun üble Speise
wählen sollte und nur mit Bastgeflecht mich wärmen müsste? Als
Du nun diese seine Antwort hörtest, da schlugst Du ihn,
ließt`einen Frosch ihn werden und hießest ihn inmitten ....
wohnen, dass ihm hinauf, hinab der Weg versperrt. Mir brächte
Deine Liebe Gleiches ein!
Eine härte
Schmährede auf einen Gott gibt es in der ganzen Weltliteratur
nicht. Bedenkt man, dass sie ein König von Uruk gegen die
mächtige Göttin seiner Stadt richtete, so ist das kaum
vorstellbar.
Dieser König trat archäologisch um
2800 als regierender Herrscher in Erscheinung und war die
mythologische Titelfigur des ältesten Epos der Menschheit.
© Peter
Meister zurück
Top |