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Astrologie und Astronomie

Astrologie und Astronomie

In der klaren Luft Chaldäas strahlen die Sterne bei Nacht ganz anders als an unsrem stets dunstigem Himmel. Bei der Betrachtung des sternenübersäten Firmaments hatten die Akkader bemerkt, dass einige Sterne ihre Stellung inmitten der anderen unaufhörlich veränderten. Sie hatten gelernt die Planeten zu entdecken.

Sie sahen die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn als besondere Manifestationen der Götter an; sie nannten sie die Deuter der Götter. Jeder Planet stellte eine Gottheit dar und trug dessen Namen. Eine Farbe war gleichzeitig einem Planet und einem Gott geweiht.

Merkur, der Stern Nebos, gehörte das Blau zu, Venus (Ishtar) das Weiß, Mars (Nergal) das Zinnoberrot, Jupiter (Marduk) das Purpur, Saturn (Ninip) das Schwarz, dem Mond (Sin) das Silber und der Sonne (Samas) das Gold.

Die Chaldäer hatten auch festgestellt, dass die Sonne jeden Tag an einer anderen Stelle aufging und dass sie während des Jahres einmal den Himmel umkreiste. Sie hatten die zwölf Sternbilder erkannt, in deren Mitte die Sonne der Reihe nach aufgeht. Sie betrachteten die Sternbiulder als göttliche Wesen.

Sie dachten, die Sterne gäben den Willen der Götter kund und durch das Studium der Sternbewegungen könne man erraten, was auf der Erde geschehen werde.

Die Priester waren also gleichzeitig Seher. Sie sagten die Winde voraus, die Regenfälle, die Überschwemmungen, die großen Hitzen, die guten und die schlechten Ernten. Sie phrophezeiten auch politische Ereignisse, den Tod von Königen, Kriege und Niederlagen.

Aber was die babylonischen Seher bei allen Völkern der Antike so berühmt machte, das war die Kunst das Schicksal jedes Menschen vorherzusagen. Die Chaldäer waren überzeugt, dass die Stellung der Gestirne im Augenblick der Geburt eines Kindes im voraus dessen Schicksal bestimmte. Jeder Mensch hat seinen Stern unter dessen Einfluss er sein Leben lang bleibt. Ist es ein böser Stern, wird er unglücklich, ist es ein guter, wird er glücklich. Es genügte zu wissen, unter welchem Stern ein Mensch geboren war, um sein Los vorherzusagen. Heute nennt man das Horoskop.

Beim Studium des Himmel hatten die Chaldäer auch Entdeckungen gemacht, die sich später als richtig herausstellten. Es war ihnen gelungen, die Bewegung der Planeten zu berechnen und die Mondfinsternisse vorauszusehen. Sie hatten die zwölf Tierkreiszeichen festgelegt und erkannt, dass das Jahr sich aus 365 ¼ Tagen zusammensetzt. Sie hatten die Sonnenuhr erfunden. Sie waren die Schöpfer der Astronomie.

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